Das große Leuchten

Karlsruhe. Grau raus, Color rein: Triste Stadtfassaden tauchen in ein imposantes Spiel aus Licht, Form und Farben. Was einst am New Yorker Times Square mit grellen Neon-Werbetafeln startete, ist längst über die reine Werbefunktion hinausgewachsen. Neueste LED-Technologie, transparente Folien und flexibles Architekturgewebe verwandeln heutzutage die Außenhäute von Sportstadien, Einkaufszentren, Hochhäusern, Messen, Flughäfen oder stinknormalen Häusern in gigantische Leinwände. Sie transportieren neben Werbung auch künstlerische und soziale Botschaften, optische Reize, Farbspiele und Emotionen.

"Medienfassaden", "Medienarchitekturen" durch „Digital Signage & Screens“ heißen die Fachbegriffe aus dieser schönen, bunten Welt. Florian Kall und Manuel Hübner kennen sich damit aus: Anfang des Jahres gründeten sie das Hightech-Start-up LightnTec mit Firmensitz in der Technologiefabrik Karlsruhe. Das Duo entwickelt hauchdünne, leichte, transparente, kostengünstige, flexible, stromeffiziente und universell einsetzbare Displays auf Kunststofffolien und arbeitet an Verfahren, diese mit modernster LED-Technik zu bestücken. "Wir nennen es die Media-Screen-Matrix", so die Gründer.

Eine transparente Kunststofffolie wird dazu mit einem patentierten Kupferleiternetz von Rolle-zu-Rolle beschichtet, mit LED und Platinen bestückt, um dann in 60 Zentimeter breiten Endlosbahnen auf Fassaden, Decken und Wänden im Innen- und Außenbereich eingesetzt zu werden. Sie ist von hinten auf Glasflächen klebbar, auf Spanntücher mit Industrieklett spannbar oder direkt auf plane Fassaden montierbar. Die Platinen steuern die Bilddaten, die samt Energie aus zentralen Versorgungsleisten strömen. So zaubern die lichtdurchlässigen Bahnen Fotos, Filme oder Powerpoint-Präsentationen für Betrachtungsabstände ab 50 Metern auf die zu bespielenden Flächen. "Durch das geringe Gewicht von nur 250 Gramm pro Quadratmeter sind die Filmbahnen einfach und günstig installierbar und sogar temporär im öffentlichen Raum einsetzbar", so Kall. Ein Einsatz der Media-Screen-Matrix auf Zeppelinhüllen und Heißluftballons wird durch die europäischen Zulassungsbehörden geprüft.

Die Anwendungsfelder seien vielfältig, neben der technischen Entwicklung werde mit Nachdruck an weiteren Einsatzmöglichkeiten gearbeitet. "Einsetzbar sind Media-Screen-Matrix-Folien etwa auch im Automobil- oder Nutzfahrzeugbau (beispielsweise als flächiges Lichtspiel auf transparenten Panoramaglasdächern) oder als Lichttapete mit wechselnden Farbmotiven in den eigenen vier Wänden und anderen Bereichen, wo es ums Wohlfühlen geht", denken Kall und Hübner nach vorne.

Es gibt sogar schon Bürotürme, die auf die Witterungsverhältnisse reagieren, indem sie Klimadaten (Licht, Wind, Temperatur) in ein Farbspiel aus LED-Punkten übersetzen. Grenzen setzen kommunale Richtlinien und das grundsätzliche Verbot, den Straßen- oder den Luftverkehr mit einem Feuerwerk an Bildern zu stören.

Die Vorserienfertigung der Media-Screen-Matrix hat am Standort Karlsruhe vollstufig „Made-in-Germany“ begonnen. Die Matrix absolviert parallel umfangreiche Belastungstests, wird in Klimakammern künstlichen Extremsituationen ausgesetzt. Ab Mitte Juli wird die Matrix an einem Baugerüst im öffentlichen Raum in Karlsruhe installiert und damit Wind und Wetter ausgesetzt. Ende August beginnt die Serienfertigung. Einem breiten internationalen Fachpublikum soll die Matrix dann anlässlich des Beyond-Festivals Ende September im ZKM in Karlsruhe präsentiert werden.

Quelle: BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN/Badendruck GmbH - Redaktion: Konrad Stammschröer

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