Display von der Rolle

Mit Media-Screen-Matrix hat Lightntec eine Medienfassade entwickelt, die sich aufrollen und beliebig anpassen lässt.

60 Zentimeter breite Rollenware, pro Quadratmeter ein Gewicht von 250 Gramm – und 400 LEDs: Bei Media-Screen-Matrix von Lightntec handelt es sich nicht um ein Druckmedium, sondern um ein Display. Das Start-up hat ein Verfahren entwickelt, um durchsichtige Kunststofffolien mit LEDs zu bestücken. Das Anwendungsfeld ist groß; Medienfassade lautet ein Stichwort. Als solche war das Produkt auch erstmals öffentlich zu sehen: Ende September verwandelte es die Fassade des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe anlässlich einer Preisverleihung in ein 30 Quadratmeter großes Display. Zum Befestigen reichten aufgrund des geringen Gewichts herkömmliche Gummibänder. „Die digitale Revolution wird vor den Oberflächen unserer Städte keinen Halt machen“, kommentiert Florian Kall, einer der beiden Gründer. Mit dem richtigen Produkt biete der Markt großes Potenzial. Transparente Kunststofffolien seien dazu besonders geeignet: Sie punkten mit einfacher Montage, sehr hoher Durchsicht und kostengünstigen Herstellungs- und Bereitstellungskosten. Sie eignen sich daher auch für den kurzfristigen Einsatz als Werbemedium. Das Unternehmen sieht sich ausschließlich als Hersteller beziehungsweise Zulieferer gleichermaßen für Händler und Anwender wie zum Beispiel Lichtwerber.

Leicht und leuchtstark

Entwickelt und gefertigt wird in Karlsruhe. Laut Florian Kall lässt sich auch in Asien nicht kostengünstiger produzieren: „Die Fachkraft, die ich brauche, ist dort genauso teuer wie hierzulande.“ Die Substrate, 60 Zentimeter breite transparente Dünnschichtfolien aus PET, kauft das Unternehmen zu. Diese beschichtet es Rolle-zu- Rolle mit einer kaum sichtbaren, patentierten Leiterbahnmatrix aus Kupferdrähten und bestückt sie anschließend mit Platinen und 400 RGB-LEDs pro Quadratmeter. Das Ergebnis ist ein hauchdünnes, zu 90 Prozent durchsichtiges, leichtes und rollbares LED-Display, dass sich einfach mit einer Schere auf die gewünschte Größe und Form zuschneiden lässt. Der Abstand der Dioden zueinander beträgt 50 Millimeter; jede lässt sich einzeln ansteuern. Zentrale Versorgungsleisten liefern Energie und die Inhalte für die Bildwiedergabe. Fotos, Videos oder auch Powerpoint-Präsentationen zum Beispiel – auch aus einer Cloud – gibt Media-Screen- Matrix mit einer Helligkeit von bis zu 1.000 Candela pro Quadratmeter wieder und verbraucht dabei maximal 75 Watt pro Quadratmeter. Weil die gesamte Elektronik vergossen wird, ist das Foliendisplay nach IP67-Standard staub- und wasserdicht. Das aktuelle Sortiment umfasst drei Produkte: Eines ist nach dem B1- Standard schwer entflammbar, die selbstklebende Variante mit einem speziellen Silikonkleber beschichtet. Alternativ lässt sich die Folie per Klettverschluss wie ein Spanntuch anbringen; die Montage ist vor oder hinter Flächen aus zum Beispiel Glas und Metall möglich.

10 Personen stehen aktuell hinter dem Unternehmen Lightntec, das im dritten Quartal dieses Jahres die Serienproduktion gestartet hat. Tendenz: steigend – sowohl personell als auch bezüglich des Sortiments beziehungsweise der Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel als variables Beleuchtungssystem oder Lichttapete in der Innenraumgestaltung; aufgrund seines geringen Gewichts ist Media-Screen-Matrix auch für die Deckenmontage geeignet. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – wozu die Displayfolie eingesetzt wird, entscheidet allein der Anwender. Zum Beispiel lässt sich damit die Hülle eines Heißluftballons zum Werbemedium machen. Zudem sind verschiedene Pixelpitches und Helligkeiten – bis zu 5.000 Candela pro Quadratmeter – in Planung.

Florian Kall hatte Lightntec im Februar dieses Jahres zusammen mit Manuel Hübner gegründet. Kennengelernt haben sie sich im Rahmen einer Veranstaltung des Cyberforums. Der gemeinnützige Verein fördert den Wissens und Erfahrungsaustausch zwischen Start-ups und Unternehmern aus der Hightech- und ITBranche sowie Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Gemeinden. Kall engagiert sich als Mentor und Business-Angel – jemand, der Gründer finanziell, mit Know-how und Kontakten unterstützt. Die Themen des Bankkaufmanns und Diplom-Betriebswirts sind Funktions- und Wirkschichten. Zuvor war er am Kunststoffproduzenten Borsi beteiligt. Aufgrund einer strategischen Neuausrichtung, die er nicht unterstützte, hat Florian Kall seine Geschäftsanteile verkauft.

Quelle: Eileen Denkewitz - denkewitz@wnp.de - Werbetechnisch Das Fachmasgazin Ausgabe 5.2016

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